Studie zu Alltagsschwierigkeiten im Alter
In einer aktuellen Studie hat die Akademie für Altersforschung am Haus der Barmherzigkeit die Versorgungssituation von Menschen ab 65 Jahren in Österreich untersucht. Grundlage der Analyse sind Daten der Österreichischen Gesundheitsbefragung 2019 mit insgesamt 3.408 Teilnehmenden.
Die in der Wiener Medizinischen Wochenschrift veröffentlichten Ergebnisse der Studie „Versorgung bei Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) sowie instrumentellen ADL und unerfüllte Versorgungsbedürfnisse in der österreichischen Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und mehr“ zeigen, dass funktionelle Einschränkungen im Alter weit verbreitet sind: 22,2 % der Befragten berichten über Schwierigkeiten bei mindestens einer Aktivität des täglichen Lebens (ADL) wie etwa Körperpflege, Anziehen oder Essen. Noch häufiger treten Probleme bei sogenannten instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens (IADL) auf – dazu zählen beispielsweise Kochen, Einkaufen, das Verwalten von Finanzen oder die Einnahme von Medikamenten. Hier sind 43,8 % der Befragten betroffen.
Ein Großteil der Betroffenen erhält Unterstützung: 72,6 % der Personen mit ADL-Einschränkungen und 76,2 % mit IADL-Problemen bekommen Hilfe. Diese erfolgt jedoch überwiegend im informellen Bereich. Unterstützung wird vor allem durch Angehörige oder Freunde geleistet (58,6 % bei ADL; 68,5 % bei IADL), während professionelle Pflegeangebote deutlich seltener in Anspruch genommen werden (29,3 % bei ADL; 19,2 % bei IADL). Technische Hilfsmittel werden ebenfalls genutzt, jedoch in unterschiedlichem Ausmaß (35,2 % bei ADL; 10,6 % bei IADL).
Trotz vorhandener Unterstützungsstrukturen zeigen sich Versorgungslücken: 27,0 % der Personen mit Einschränkungen bei grundlegenden Alltagsaktivitäten und 18,7 % bei instrumentellen Tätigkeiten berichten von unerfüllten Versorgungsbedürfnissen. Die Analyse identifiziert mehrere Risikofaktoren für diese Versorgungslücken, darunter höheres Alter, das Alleinleben und chronische Erkrankungen wie Depressionen, Schlaganfall, Inkontinenz und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.
Zusammengefasst hat etwa jede*r Fünfte über 65-Jährige in Österreich Schwierigkeiten mit Aktivitäten des täglichen Lebens oder mit instrumentellen Tätigkeiten. „Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung individuell abgestimmter Maßnahmen, um den Zugang zu Pflege und Unterstützung für ältere Erwachsene mit funktionellen Einschränkungen zu verbessern“, so die Autor:innen Thomas Dorner, Viktoria Stein und Christoph Gisinger.
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